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Gulbenkian
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Dabei seit: 19.04.2005
Beiträge: 177
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| @winter |
29.03.2011 15:11  |
Gerade im Falle von Russland halte ich einen deftigen Bewertungsabschlag für die mangelhafte Rechtssicherheit für geboten. Man muß schlichtweg davon ausgehen, bei einem Investment in Russland stets mit mit mehr oder minder Kriminellen in einem Boot zu sitzen. Oder wie es eine Kollege von mir einmal ausdrückte: Geschäfte mit Russland gleichen einem Kartenspiel, bei dem einem erst nach Spielende die Regeln erklärt werden.
Beispiel für Regierungskriminalität:
Yukos: Die willkürliche Enteignung traf zwar mit Chodorkowski sicher nicht den Falschen (sozusagen "illegale Beschlagnahme von Diebesgut"). Da die Aktie zu diesem Zeitpunkt die vielleicht populärste unter westlichen Anlagern war, wurden diese en passant auch gleich um ein paar Milliarden Euro erleichtert. Ein bißchen wundert es mich immer noch, daß sich der Aufschrei im Westen, ob dieses dreisten Diebstahls in Grenzen hielt.
Beispiel für Wirtschaftskriminalität (selbst hautnah miterlebt):
Rosneftegaztroy (die annähernde Namensgleichheit mit der vom Yukos Betrug profitierenden Staatsgesellschaft Rosneft ist allerdings nur Zufall):
Das betreffende Papier war um 2000 herum unter Zockern recht populär. Etwas übermutig hatte ich seinerzeit eine Position zu Tradingzwecken erworben (Kurs 2 ¤). Da sich ein kurzzeitig anvisierte Kurssprung nicht einstellen wollte, stellte ich das Teil wieder zum Verkauf. Ca. die Hälfte konnte ich zum Einkaufskurs losschlagen, der Rest verbleib im Depot.
Wenige Tage nach meinem Teilverkauf erhielt ich die Mitteilung über eine sehr merkwürdige Kapitalerhöhung.
Eckpunkte: Kapitalerhöhung 100:1, bei minimaler Zuzahlung (ein oder zwei Prozent vom Kurswert), Stichtag für die Bezugsrechte ca. 1 Monat zurückliegend in der Vergangenheit
Effekt: Wer an der Kapitalerhöhung teilnahm, konnte seinen status quo erhalten, wer nicht wurde zu 99% enteignet.
Bis zur Abwicklung der Transaktion dauerte es ein paar Wochen, während dessen in den einschlägigen Internetforen heftig über die Interpretation des Zeichnungsangebotes und das richtige Verhalten hierzu diskutiert wurde. Bis zuletzt konnte sich keine einheitliche Meinung hierzu bilden - mit fatalen Folgen für diejenigen, die nicht zu den richtigen Schlüssen gelangt waren. Die unterschiedlichen Auffassungen führten zu dem kuriosen Chartverlauf der Aktie (die rechnerisch nur 2 Cent wert war), die langsam über 70 Cent bis auf 7 Cent abbröckelte (bis zur ersten Einbuchung der neuen Aktien bei der schnellsten Bank; interessanterweise eine kleine Sparkasse). Meine Depotbank Consors war glücklicherweise die schnelleste unter den Großen, so daß ich meine Neuen noch komplett für 3 Cent losschlagen konnte.
Ob die Verantwortlichen jemals zur Rechenschaft gezogen wurden, ist mir nicht bekannt - würde mich aber wundern.
Fazit: Eine russische Aktie muß wirklich spottbillig sein, sonst: Finger weg. Ansonsten besser nicht alle Eier in einen Korb. Ich hielt damals immer rund 10 Titel. 2004 hatte ich nochmal ein ca. einjähriges Investment mittels eines Osteuropafonds (ca. 70% plus, wenn ich mich recht erinnere).
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