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memyselfandi007
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Dabei seit: 22.10.2003
Beiträge: 4612

Short ETFs - mal wieder was gelernt 26.08.2009 17:18    Zum Anfang der Seite springen

zum Hintergrund

Ende letzten und Anfang dieses Jahres habe ich einen kleinen Teil meines Depots in Short Dax ETfs von DB X-Trackers (DBX1DS) investiert.

Idee war, sich gegen sinkende Dax Stände abzusichern, ohne groß Optionsprämie zahlen zu müssen. Meine (etwas naive) Meinung war, dass ich in etwa einfach die inverse Entwicklung das DAX bekommen sollte, also wenn der Dax +10% über einen bestimmten Zeitraum macht, bekomme ich -10% und anderstrum.

Das Ganze hört sich v.a. deswegen attraktiv an, weil gegenüber einem Short DAX Future der maximalverlust auf den Einstatz beschränkt ist.

Soweit so gut. Schaut man jetzt allerdings auf die 1 jahres Entwicklung des Zertifikats vs. des Dax zeigt sich erstaunliches:

Dar Dax hat seit dem 26.8. ca. -12,6% verloren. Der Kurs des DAX Short Trackers hat in der gleichen Zeit nicht gewonnen, nein, sondern knapp -1% verloren.

Wie kann das sein fragt sich der naive Investor ? Hat mich die Deutsche Bank wieder mal über den Tisch gezogen ?

Liest man sich den Prospekt genau durch, sieht man aber, dass der ETF nicht die langfristige Entwicklung nachbilden will/soll, sondern nur die tägliche Prozentbewegung des zugrundeliegenden Indexe invers nachbilden will.

Spätestens jetzt sollten alle Alarmglocken leuten, haben sie bei mir aber nicht getan.

Jetz kommt das kleine 1x1 des % rechnens. Ganz einfaches Beispiel:


An Tag 1 geht der Index 10% runter, an Tag 2 geht er wieder 10% hoch.

Was passiert, wenn ich 100 EUR in einen normalen DAX Etf investieren:

Tag 1: 100*0,9= 90 EUR
Tag 2: 90*1,1= 99 EUR

Also -1% für den Dax.

Was macht der Short ETF:
Tag 1: 100*1,1= 110 EUR
Tag 2: 110*0,9= 99 EUR

Also -1% für den Short ETF, anstatt +1% wie man naiverweise glauben könnte.

Überlegt man ein bischen, kommt man natürlich drauf, dass das aus der reinen Prozentrechnung folgen MUSS.

Einmal plus 10% und einmal minus 10% kumuliert auf einen Ausgangsbetrag ergeben immer -1%, egal in welche Richtung. D.h. wir haben es hier nicht mit Betrug seitens DB zu tun sondern mit einem "Konstruktionsfehler" bzw. falschen Erwartungen.

Der Zusatz beim Short ETF, dass nur die tägliche Prozentbewegung nachgebildet wird ist hier natürlich entscheidend.

Deutlicher wird das, wenn man das gleiche Besipiel für einen Short Future rechnet.

Nehmen wir an, wir machen an Tag 1 eine Shortposition mit Strike Ausgangswert (100) auf und legen das Ausgangskapital der Einfachheithalber zinslos an und sehen mal von MArginzahlungen ab.

Wiederum nehmen wir an:

An Tag 1 geht der Index 10% runter, an Tag 2 geht er wieder 10% hoch

Wert Gesamtposition an Tag 1:

100 EUR Cash +(Strike (100)-Index (90)) = 110 EUR. Also noch analog zum Short ETF

Wert Gesamtposition am Tag 2:

100 EUR Cash (Strike (100)- Index 99)) =101 EUR und damit 2 EUR bzw. 2% mehr als beim Short ETF.


Wie kommt das ? Das kommt daher, dass beim Short Future der Ausgangswert gegen den die Shortposition schwankt immer gleich bleibt, beim Short ETF aber quasi täglich "umbasiert" wird.

Die Wertenetwicklung an Tag 2 der Short Future + Cash Position ist deshalb auch nicht -10% sondern "nur" (101/110-1) = -8.18%.

Im Short ETF muss also, um die tägliche "Prozentzahl" zu halten, immer das Exposure prozyklisch angepasst werden. D.h. steigt der Index an Tag 1, reduziert der Short ETF anscheinend prozyklisch das Nominal der Shortposition und hat somit dann auf den Ausgangswert bezogen relativ weniger "Schutz" als die Future Position.

Das wiederum heisst, das in schwankenden Märkten anscheinend immer prozyklisch angepasst wird und man so systematisch Geld liegen lässt.

Übrigens: Ich habe nochmal nachgerechnet, der X Tracker hat immerhin 3% besser perfomrt als der "theoretische" Shortindex, also kein Betrug Augenzwinkern

Fazit: Das Ding eignet sich nur für sehr kurze Zeiträume. Vielleicht hat deshalb auch die Deutsche vor einer Woche den Zusatz "Daily" in den Fondsnamen eingefügt.


MMI

Edit: Anbei noch ein entsprechender Artikel, den ich aber ohne eigene Berechnungen nicht verstanden hätte.

http://www.nasdaq.com/newscontent/200908...tegoryid=Stocks

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Dieser Beitrag wurde schon 3 mal editiert, zum letzten mal von memyselfandi007 am 26.08.2009 17:27.

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cktest
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Dabei seit: 05.04.2002
Beiträge: 4361
Herkunft: Mittelhessen

26.08.2009 18:05    Zum Anfang der Seite springen

Ähnliche Artikel fanden sich auch öfters in der Presse.

Ich habe hier schonmal anderswo geschrieben, dass ich genau aus diesem Grund zur Absicherung ein niedrig gehebeltes Short-Hebelzertifikat bevorzugen würde (bevorzugt von einem sicheren Emittenten). Wenn man natürlich selbst Futures handeln kann, ist das vielleicht noch besser Frage

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"Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

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memyselfandi007
Royal Member




Dabei seit: 22.10.2003
Beiträge: 4612

26.08.2009 18:09    Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von cktest
Ähnliche Artikel fanden sich auch öfters in der Presse.

Ich habe hier schonmal anderswo geschrieben, dass ich genau aus diesem Grund zur Absicherung ein niedrig gehebeltes Short-Hebelzertifikat bevorzugen würde (bevorzugt von einem sicheren Emittenten). Wenn man natürlich selbst Futures handeln kann, ist das vielleicht noch besser Frage


Da hätte ich wohl aufmerksamer Deine Beiträge lesen sollen Augenzwinkern

Mir war aber nicht klar, dass die Unterperformance so krass werden kann..... Futures haben natürlich den Nachteil des nach oben offenen Verlusts...

MMI

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Raynar
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Beiträge: 690
Herkunft: München

26.08.2009 21:32    Zum Anfang der Seite springen

Das war mir auch noch nicht bewusst,
Exakt der gleiche Sachverhalt mit deiner Rechnung ist mir auch mal bei Rolling OS aufgefallen, wo der Hebel konstant gehalten wird.

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Growth and Value investing are joined at the hip.

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Winter
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Beiträge: 4474

26.08.2009 22:46    Zum Anfang der Seite springen

Ist nicht das gleiche Phänomen, hat aber auch damit zu tun:
In der aktuellen Euro Finanzen (lese ich nur, weil das Abo kostenlos war) ist ein Artikel, in dem die Entwicklung von Öl und von diversen Zertifikaten untersucht wird. Die haben bedeutend schlechter abgeschnitten als der Ölfuture, hat was mit Rollverlusten zu tun (Dezember-Future teurer als September-Future). Der Ölpreis legte um 78% zu, die Indexzertifikate zwischen 13 und 52%; seit der Spitze haben sie doppelt so viel verloren. Bei einigen Papieren sei die Partizipationsrate am Ölpreis auf 70 oder sogar unter 50% gesunken.
Erwähnt wird ein Quantozertifikat mit 99% Partizipationsrate und 0% Quantogebühr (wie ist das möglich), Zertifikate mit fixer Laufzeit (kein Rollieren nötig), und rolloptimierte Papiere (wie das?). Wohlgemerkt Long-Papiere.

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Lando
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Beiträge: 4134
Herkunft: Vogelsberg

27.08.2009 11:12    Zum Anfang der Seite springen

Das ist jetzt nicht hämisch gemeint, bin selbst schon auf diese blöden Roller hereingefallen, die Lehre ist wohl:

bucket shop bleibt bucket shop.

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Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

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Balkenchart
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Beiträge: 3719
Herkunft: Wieso null?

Short DAX 29.08.2009 06:04    Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Raynar
Das war mir auch noch nicht bewusst,
Exakt der gleiche Sachverhalt mit deiner Rechnung ist mir auch mal bei Rolling OS aufgefallen, wo der Hebel konstant gehalten wird.

Ja. Der Short DAX Index hat ja auch genau einen Hebel von -1 relativ zum DAX (mit Reibungsverlusten, weil nur einmal taeglich adjustiert wird). Er sollte besser "1 durch DAX" heissen. Wenn Du wirklich "minus DAX" haben willst, musst Du in irgendeiner Form Zinsen zahlen - z.B. im Future oder beim KO/Mini-Future/Turbo-Zertifikat oder mit Index-Optionen und einem synthetischen Leerverkauf.

Balkenchart

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derivatus
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Dabei seit: 12.08.2004
Beiträge: 1038
Herkunft: frueher Bayern jetzt Suedostasien

29.08.2009 09:04    Zum Anfang der Seite springen

Beim Future werden die Zinsen addiert.
Wenn ich long bin muss ich Zinsen zahlen (der DAX-Future notiert hoeher als der Kassa DAX) und wenn ich short bin kriege ich Zinsen.

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Balkenchart
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Beiträge: 3719
Herkunft: Wieso null?

Zinsen 29.08.2009 18:52    Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von derivatus
Beim Future werden die Zinsen addiert.
Wenn ich long bin muss ich Zinsen zahlen (der DAX-Future notiert hoeher als der Kassa DAX) und wenn ich short bin kriege ich Zinsen.

Entschuldigung, Du hast natuerlich recht.

Balkenchart

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memyselfandi007
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Dabei seit: 22.10.2003
Beiträge: 4612

US Styla 14.10.2009 08:53    Zum Anfang der Seite springen

Einigen US Anlegern ist das Problem anscheinend auch aufgefallen. Die Reaktion ? Den Emittenten verklagen...

http://www.businessinsider.com/lawsuits-...ed-etfs-2009-10

We suspect we're merely at the beginning of a big avalanche of lawsuits against leveraged and short ETFs, which aren't designed to be bought and held.

The SEC may be slow on regulating these, but there's no reason for money-hungry lawyers to wait.


MMI

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